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Viele Webseiten erzählen die Geschichte vom Ursprung des abstrakten Brettspiels Reversi/Othello, jedoch fand ich keine, die mich ausreichend informierte – entweder es waren nur wenige oder vage Angaben, keine Bilder, keine Quellen, in mir unverständlichen Fremdsprachen – irgendetwas hat immer gefehlt.
| 16. Jahrhundert: das Kartenspiel Reversi wird bekannt Reversi war bereits im 16. Jahrhundert in Mode – ein Kartenspiel spanischen oder italienischen Ursprungs, das seine Berühmtheit Heinrich IV. verdankte.1 Der reuelose König verbrachte ganze Abende mit Reversi, verlor große Summen und wurde von vielen Höflingen nachgeahmt. Der berühmte Generalfinanzminister Sully erhob schließlich Vorwürfe gegen den König, der ihm im Januar 1609 versprechen musste, „nie wieder ein so großes Spiel zu spielen.“ Dieses königliche Gelöbnis genügte, und das Spiel wurde populär. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Reversi in den Salons der High Society gespielt – ihm wurden sogar Gedichte gewidmet. Man spielte es zur Unterhaltung mit Chips oder, wenn es ernst wurde, um Geld. Obwohl das Spiel einfach zu erlernen war, offenbarte es bei geschickter Spielweise einige Feinheiten. Wie der Name schon andeutet, war Reversi ein „umgekehrtes“ Spiel: Ziel war es, möglichst wenige Stiche und Punkte zu machen – es sei denn, man machte alle, was als faire reversi galt. Gespielt wurde mit vier Personen und einem Kartenspiel mit 52 Karten, aus dem die vier Zehner entfernt wurden. Der Herzbube war Trumpf und wurde Quinola genannt – ein Name, der im 16. Jahrhundert dem Knappen gegeben wurde, der für die Begleitung der Damen zuständig war. Unter dem Kaiserreich war Reversi besonders beliebt und blieb es während des gesamten ersten Drittels des 19. Jahrhunderts. Es wurde in allen Gesellschaftsschichten gespielt, insbesondere aber von der bürgerlichen und adligen Elite sowie von Offizieren der Armee. Im 18. Jahrhundert hieß es, man könne dieses Spiel nicht aus Büchern lernen. Auch Napoleon Bonaparte spielte es gern auf St. Helena2. Die Regeln wurden dennoch in zahlreichen Werken veröffentlicht, insbesondere in der Académie universelle des jeux, die 1806 in Lyon erschien.3 Und was hat das mit Othello zu tun? Zunächst einmal: nichts. Der Name „Reversi“ gewinnt erst viel später – in einer Gerichtsverhandlung um das Brettspiel im Jahr 1888 – an Bedeutung und beeinflusst den weiteren Verlauf der Geschichte maßgeblich. |
| um 1700 Im südlichen China spielt man Fānmiàn qí (翻面棋) – Das „Steine-Umdreh-Spiel“ Es gibt tatsächlich ein traditionelles chinesisches Brettspiel namens „翻面棋“ (Fānmiàn qí, je nach Region und Dialekt auch Fan Mian oder Fan Mien), das als möglicher Vorläufer von Othello/Reversi gilt! Hier die Fakten: Erste Belege stammen aus der Qing-Dynastie (17.–19. Jh.), vor allem aus Südchina (Fujian/Guangdong). Indizien für die Entstehung um 1700: Früheste schriftliche Erwähnung Das Spiel wird erstmals in Pu Songlings (蒲松龄, 1640–1715) Tagebüchern beschrieben (ca. 1690–1710). Der Schriftsteller notierte: „閩中兒戲,有翻子棋,夾則易色“ („Unter Kindern in Minnan [Süd-Fujian] gibt es das ‚Fānzi qí‘: Klammert man Steine ein, wechseln sie die Farbe.“) 4 Lokale Chroniken der Qing-Zeit 《漳州府志》(Chronik von Zhangzhou, Fujian, 1718, Band 38) erwähnt „翻子斗棋“ ‚Fān zǐ dòu qí‘ als „Kinderspiel der Hafenarbeiter“. 《廣東通志》(Chronik von Guangdong, 1731) beschreibt ein Spiel namens „反棋“ (Fǎn qí) mit identischen Regeln. Beide Quellen sind digitalisiert in der National Library of China. Archäologische Funde In Grabfunden aus der Kangxi-Ära (1662–1722) in Fujian wurden Spielbretter (8×8-Ritzungen) mit zweifarbigen Tonsteinen entdeckt. Eines trägt die Inschrift „翻“ (fān). 5 6 E. O. Harbin stellt in seinem Buch „Games of Many Nations“ das Spiel Fan Mien gleichgesetzt mit Reversi bei der Erläuterung der Regeln7 Schlussfolgerung: Die Angabe „Kinderspiel der Hafenarbeiter“ sowie die Ortsangaben, die sämtlich in der Nähe von Häfen lagen, lassen die Vermutung zu, dass das Spiel sehr wohl mit Handelschiffen der damals den Asienhandel dominierenden East India Company (EIC) in den bedeutendsten Hafen dieser Gesellschaft – London – gelangt sein könnte. Aufgrund mangelnder Dokumentation und des Geoblockings in China, das den Zugriff aus dem Ausland auf historische und archäologische Dokumente stark einschränkt, lässt sich dies jedoch nicht zweifelsfrei beweisen. Ebenso gut könnten unsere englischen Erfinder nichts von Fānmiàn qí gewusst und zufällig Spiele mit ähnlichen Spielmechaniken und Regeln entwickelt haben. |
| 1870 John W. Mollett erfand ‚The Game of Annexation‚ 8 J. W. Mollett, ein Autor und Kunsthistoriker aus Londen, hat das Spiel erfunden. Man spielte es auf einem kreuzförmigen Spielfeld mit 64 Feldern mit 64 2-farbigen Spielsteinen. Das Spiel gilt als Vorläufer von Reversi und Othello, obwohl es anstelle des heute üblichen quadratischen Bretts ein kreuzförmiges Spielfeld hatte. |
| 1876 F.H. Ayres brachte „The Game of Annexation“ auf den Markt Vom damals sehr bekannten Spielehersteller F. H. Ayres wurde das Spiel kommerziell veröffentlicht. Leider konnte ich nur diese 2 Fotos eines Spielbretts und des Titelblatts von ‚THE NEW COMPENDIUM OF PARLOR GAMES‚ finden. Dies war eine Spielesammlung der neuen Gesellschaftsspiele im Verlag Ayres, welche dieser in Abständen mit den jeweils neu erschienenen Spielen herausbrachte. Sehr gut zu erkennen ist das kreuzförmige Spielbrett. Die dazugehörigen Spielsteine kann man sich leicht vorstellen. Die Fotos sind datiert auf 18809 |
| 1880 Lewis Waterman erfand das Brettspiel „Reversi„ Um 1880 „erfand“ Waterman das Spiel ‚Reversi‚, dessen Regeln jenen von ‚The Game of Annexation‚ ähnelten. Der wesentliche Unterschied bestand darin, dass er ein quadratisches Schachbrett mit 8×8 Feldern verwendete. Waterman war hauptberuflich Spieleerfinder und -verleger und betrieb einen Kleinverlag – eine damals in der viktorianischen Zeit weit verbreitete Unternehmensform. Erst im Zuge der industriellen Revolution gegen Ende des Jahrhunderts wuchsen einige dieser Betriebe zu größeren Unternehmen heran, darunter auch Jaques & Son,10 mit denen Waterman ca. 1889 (vermutlich aufgrund des gestiegenen Produktionsbedarfs) die Herstellung und Vermarktung des Spiels organisierte. |
| 1883 Waterman veröffentlichte das Spiel Waterman nahm große Werbekosten auf sich, um „Reversi“ der Öffentlichkeit bekannt zu machen11 |
1885 von Waterman ist die linke Box. Watermann hat Reversi bis mindestens 1888 selbst vermarktet. Zum Vergleich die ähnliche Box rechts, von Jaques & Son die spätestens ab 1890 die Vermarktung übernahmen, hat Spielsteine in anderer Farbe und stammt von ca. 1900 12 13 |
| 1886 F.H. Ayres veröffentlichte ein Reversi ähnelndes Spiel unter dem Namen „Annex„14 Es handelte sich hierbei um „The Game of Annexation“ angepasst an das quadratische Damespielbrett mit 8×8 Feldern, so wie es auch Watermann’s Spiel beinhaltete. 1886 Am 21. August erscheint der vermutliche erste Zeitungs-Beitrag über Watermans „Reversi“ in „der „The Saturday Review„15 „REVERSES. This is not an essay on the various ups and downs of life, but an account of a game, not at present widely known, very easy to learn, and likely to become welcome in many homes.…“ |
| 1887 Waterman ließ das Wort „Reversi“ als Warenzeichen eintragen16 |
| 1888 Ayres fügte dem Titel „Annex“ die Bezeichnung „a game of reverses“ hinzu17 Im Februar ergänzte Ayres seiner Spielbox außen den Titel mit diesen Zusatz, womöglich weil Reversi sich besser verkaufte, als sein Spiel. |
| 1888 Im April kam es zum Prozess Waterman gegen Ayres Waterman klagte gegen Ayres18, und behauptete Annex wäre eine Nachahmung seines 1883 erfundenen Spiels. Der Zusatz auf den Spieleboxen „a Game of reverses“ ab Februar 1888 sei nur wegen den steigenden Verkaufszahlen von Reversi vorgenommen worden. Es wurde nachgewiesen, dass das Wort Reversi (das nicht das Partikel des französischen Verbs „reverser“ ist) in Frankreich nur als Name eines alten Kartenspiels verwendet wurde. Richter Kay entschied am 20. April, dass das Wort „Reversi“ in seiner Verwendung in England ein „nicht allgemein gebräuchliches Kunstwort“ sei und unter § 64 Abs. 1 (c) des Gesetzes falle. Es handele sich um ein Wort, das als Marke des vom Kläger verkauften Spiels eingetragen werden könne. Das Vorgehen des Beklagten sei eindeutig eine scheinbare Nachahmung der Marke des Klägers. Der Antrag auf Berichtigung sei abzulehnen. Es müsse eine einstweilige Verfügung erlassen werden, die den Beklagten daran hindere, das Wort „Reverses“ oder eine andere scheinbare Nachahmung des Wortes „Reversi“ zu verwenden. |
| 1888 Im Mai kam die Wendung im Berufungsverfahren Im Berufungsverfahren wurde entschieden, dass das Wort „Reversi“ ein beschreibendes und kein Phantasiewort sei und nicht hätte eingetragen werden dürfen, auch weil es bereits ein Kartenspiel mit dem Namen „Reversi“ gab19; dass die Gestaltung der Schachtel mit den Spielsteinen usw., die für das Spiel des Beklagten verwendet wurde, keine offensichtliche Nachahmung dessen sei, was der Kläger beworben und verkauft habe; und dass daher die Klage des Klägers erfolglos sei und seine Marke aus dem Register gelöscht werden müsse. … Die Folge dieses Urteils war, dass weder das Spiel, noch der Name „Reversi“ geschützt waren und jeder dieses Spiel linzenzfrei veröffentlichen konnte. |
| 1888 Walter H. Peel veröffentlichte im Magazin „The Queen“ einige Artikel über Reversi dadurch wurde das Spiel wesentlich bekannter. 20 |
| 1890 Reversi verbreitete sich bereits in den ersten Jahren rasant Das Buch „Reversi and Go Bang“21 aus der Club-Reihe von „Berkley“, „Autorisiert von Lewis Waterman“, erschienen bei George Bell & Sons 1890, beginnt seine Einleitung mit den Worten: „Nur wenige Spiele haben unseres Wissens in so kurzer Zeit eine so große Popularität erlangt wie das Spiel Reversi. Obwohl es erst seit ein paar Jahren veröffentlicht ist, verkauft es sich bereits enorm.“ Und genauso so groß ist die Anzahl der verschiedenen bereits angebotenen Spiele. Mollett/Ayres Ayres verkaufte inzwischen sein Spiel „THE ORIGINIAL GAME OF ANNEXATION“ mit dem Namenszusatz „OR REVERSI“ da ja durch den vorangegangenen Prozess der Name nicht mehr geschützt war. Außerdem wurde weiterhin auf den Boxen der Erfinder Mollett gewürdigt. 22 23Jaques/Waterman Jaques veröffentlicht „A HANDBOOK OF REVERSI“ mit Tipps zum Spiel und zahlreichen Problemen. Die Preisliste zeigt die erhältlichen Versionen des Spiels. Die Box gab es aus Ahorn, Pappkarton oder Leder. Gewöhnlich war in den kleinen Boxen nur ein Spielfeld aus Papier enthalten. Man konnte aber auch auf vorhandenen Dame- oder Schachbrettern spielen oder das Reversi-Brett separat kaufen. Zum Schluss noch ein größeres Set incl. Spielbrett aus Pappkarton. Der abgebildete Maßstab zeigt inch (Zoll). 24 25 26 27McLoughlin Bros. bieten Reversi in den USA an 28Auch in Deutschland wurde Reversi schon angeboten sogar in 2 Versionen! Leider ist nicht bekannt, von welchen Herstellern, vielleicht aber von Jaques (Reversi) und Ayres (Reversi Annectiren), Anzeige der Fa. Fetzer, Stuttgart, 03.12.1890 29 |
| 1893 Ravensburger nimmt Reversi ins Programm auf Mit Spiel-Nr. 32 wurden 2 Spiele im Set verkauft, Reversi und Rocco. Habe leider nur ein Foto der Box gefunden und eine Werbeanzeige. Werde wohl mal das Ravensburger Museum besuchen müssen… 30 |
| 1895 Ayres veröffentlicht „THE HANDBOOK OF REVERSI“ allerdings sind auch Anleitungen zu 3 weiteren Spielen (Fanorona, Invasion und Halma) enthalten 31 |
| Ende 19. Jhdt. Reversi wird in mehreren deutschen Zeitungen beworben, wie bei Spielen üblich meist vor Weihnachten, wie z. B. Wwe. Robert Hamel aus Düren, und jedes Jahr (1896, 1897, 1898,…) stand Reversi an erster Stelle in der Anzeige 32 33 |
| 1900 Ayres verkaufte sein Spiel nun unter „THE ORIGINAL GAME OF REVERSI„, gab aber immer noch das Dame-Brett als Referenz an, erwähnte aber den Erfinder Mollett nicht mehr. 34 Jaques blieb auch beim Schach-Brett und erwähnte den Erfinder Waterman weiterhin. Hier die günstigere Pappschachtel und unübliche Steine in schwarz/gelb 35 |
| 1905 Jaques neues Design mit schicker Ahornbox, Steine in gelb +blau 36 |
| 1905 Ravensburger veröffentlich Reversi neu Spiel Nr. 137 war dieses Mal einzeln erhältlich, nicht wie zuvor im Set. 37Dass aber in Honnef 1907 Reversi+Rocco (das Spiel aus 1893) noch als neu angepriesen wurden, lässt erahnen, dass auch damals schon Reversi in Deutschland nicht so verbreitet war, wie im angelsächsischem Raum. 38 |
| 1907 Reversi ist in Japan angekommen 39 In Japan wurde Reversi während der Meiji-Zeit (bis 1912) als レバルシー „Rebarushi “ (umgekehrt) eingeführt und später unter dem Namen 源平碁の „Genpei Go“ vermarktet. 40 Spätestens mit der Veröffentlichung der „Enzyklopädie der Spiele der Welt“ war Reversi 1907 auch in Japan bekannt. „Rebarushi ist derzeit eines der beliebtesten Spiele in der westlichen Welt„. Der Autor nannte Mollett als Erfinder |
| 1920 Reversi wird in Japen als 源平碁の Genpei Go vertrieben 41 Dieses Fundstück stammt vermutlich aus der Taishō-Zeit (ab 1912) oder der frühen Shōwa-Zeit (ab 1926). Es verfügt über eine sehr schöne Box aus Kirschholz, die zugleich als Spielfeld und Aufbewahrung für die Spielsteine dient. Obwohl das Spiel „Go“ im Namen trägt, wird es nicht mit klassischen Go-Steinen gespielt, sondern mit zweifarbigen Reversi-Steinen. Die Spielfarben – Rot und Weiß – erinnern an die Bannerfarben der verfeindeten Samurai-Familien im namensgebenden Genpei-Krieg um die Vorherrschaft in Japan (1180–1185 n. Chr.). (Fun Fact – off topic: Damals gewann Weiß.) ![]() |
| 1930er Reversi von Ayres Ein Beispiel mit Art-Deco-Grafiken auf der Schachtel 42 |
| 1935 Reversi von Turner und Gibson links Turner, mit Spielsteinen in grün und rot, rechts Gibson mit schwarz/rot 43 44aber auch Jaques brachte das Spiel verändert auf den Markt 45 |
| 1942 Reversi im Lazarett In einem Bericht „1000 Spiele für die Lazarette“, eine Spendenaktion „Spiele für Soldaten, Spielzeug für Soldatenkinder“ wird Reversi gleich nach Schach an 2. Stelle genannt. 46 |
| 1950er Reversi Eine Version von Chad Valley, England 47und eine Gemeinschaftsproduktion von Jaques und Chad Valley, vermutlich um das alte Spiel wiederzubeleben. 48 |
| 1971 長谷川五郎 Goro Hasegawa erfand das Brettspiel, das wir heute unter オセロ „Othello“ kennen Hasegawa meldete 1971, noch vor der Veröffentlichung des Spiels, ein Gebrauchsmuster für Othello an und nannte es „Genpei Go“. 49 Genpei Go wurde in Japan bereits seit einem halben Jahrhundert gespielt, und Hasegawa behauptete, sein neues Design sei eine Verbesserung der Steine, des Bretts und der Gitterlinien, die bei Genpei Go verwendet wurden. (der Antrag wurde später abgelehnt, weil nicht genügend Neues daran war) |
| 1972 Goro Hasegawa stellte das Brettspiel „Othello“ bei Tsukuda vor um es herstellen und vertreiben zu lassen. Nach „Genpei Go“ favorisierte Goro den Namen „Lan Lan Can Can“50, benannt nach zwei in Japan sehr berühmten Pandabären, (Lan Lan51 und Kang Kang52, die ersten Pandas im Ueno Zoo von Tokyo, ein Geschenk von China). Der Name „Othello“ wurde von seinem Vater, dem Anglistikprofessor Shiro Hasegawa, in Anlehnung an Shakespeares Stück „Othello“ geprägt. Es ist „die turbulente Geschichte von Othello (schwarze Steine), einem schwarzen General und seiner weißen Frau (weiße Steine), die auf einer grünen Ebene (grünes Brett) kämpfen“, und das ist die Essenz des Othello-Spiels selbst. Im November meldet Hasegawa オセロ „Othello“ markenrechtlich an53 |
| 1973 Am 29. April erschien Othello für 2200 Yen (ca. 23 DM) Es war so weit, Othello war veröffentlicht. Ich werde noch auf einige Dinge um die „Erfindung des neuen Spiels“ eingehen. Aber erst einmal die Bilder: 54Deutlich zu erkennen ist die wesentlich höherwertige Verarbeitung des Spiels: statt Papp-Spielbrett ein stabiles und wasserfestes Kunststoffspielbrett, statt Spielfiguren aus Holz, Papier oder Pappe schöne und griffige Spielsteine aus Kunststoff. Die bewusste Wahl des Fotos auf der Verpackung (Erwachsenenhände und Zigarette) sollte den Eindruck verhindern, es wäre ein Kinderspiel. Auch der Preis und die Größe machten deutlich, dass dies ein Spiel für Erwachsene ist. Die Taktik ging auf! |
| Goro Hasegawas Entstehungsgeschichte(n) von „Othello“ 1973 „Gibt es etwas, das als Vorbild dienen könnte? In diesem Moment erinnerte ich mich daran, dass mein älterer Bruder vor über 30 Jahren in der Grundschule Genpei Go gespielt hatte. Obwohl es inzwischen ausgestorben ist, hatte ich das Gefühl, dass es funktionieren könnte, wenn wir es als Grundlage nutzen und verbessern.“ 55 1981 In seinem Buch „How to Play Othello“ räumte Hasegawa ein, dass Reversi der Prototyp von Othello sei, und wies darauf hin, dass der Spielspaß zu einem Drittel aus den Regeln und zu zwei Dritteln aus dem Namen, der Ausrüstung, der Umgebung usw. bestehe. Er argumentierte, dass Reversi, dem Letzteres fehlte, nichts weiter als ein Kinderspielzeug sei, während bei Othello alles vorhanden sei und es als Spiel perfektioniert sei, das auch Erwachsene spielen könnten. 56 2000 Um das Jahr 2000 herum sagte Mr. Goro plötzlich, Othello stamme aus Mito, was mich verwirrte. Bis dahin hatte ich geglaubt, dass die Forschung zu dem Spiel in den 1960er-Jahren begann und es 1973 fertiggestellt und veröffentlicht wurde. Doch plötzlich hieß es, es sei nach dem Krieg in Mito entstanden. 57 2011 behauptete Hasegawa in einem Buch, Othello stamme von einem von ihm selbst entwickelten ‚Hasami Go‚ ab 58. Da er und seine Klassenkameraden im Sommer 1945 die Regeln von Go nicht ganz verstanden haben, habe er die Regeln vereinfacht (durch einschließen werden Steine geschlagen) und später verbessert (einschließen wechselt die Farbe, durch Austausch der Steine) und später kam ihm die Idee der zweifarbigen Papierspielplättchen. Jedoch gibt es für die Existenz von ‚Hasami Go‚ keine Belege. 2025 Megahouse hat aktuell auf der Webseite diese Version: ‚Der Prototyp von Othello entstand im September 1945, kurz nach Kriegsende. In Mito City, Präfektur Ibaraki, hatte der verstorbene Goro Hasegawa, damals Schüler der Mittelschule, die Idee, ein Spiel zu entwickeln, das man mit Go-Steinen in zehn Minuten entscheiden konnte. Er spielte es mit seinen Freunden in der Pause im Freien. Dies war der Prototyp von Othello, bei dem man die Steine des Gegners so einklemmt, dass sie die eigene Farbe haben. Das Spiel war einfach zu spielen und erfreute sich bei seinen Mitschülern großer Beliebtheit. Später, während er für eine Firma arbeitete, erinnerte sich Hasegawa an das Spiel, das er zuvor entwickelt hatte. Er bastelte Steine aus Milchflaschenverschlüssen und brachte einen Prototyp zu einem Spielzeughersteller. Sein Plan wurde genehmigt, und Othello wurde am 29. April 1973 offiziell veröffentlicht und unter dem eingetragenen Markennamen „Othello“ verkauft. Von der Veröffentlichung an erfreute es sich rasanter Beliebtheit und wurde zu einem beispiellosen Hit.‘59 |
| Fazit: Meiner Einschätzung nach spricht vieles dafür, dass Fānmiàn qí als Vorläufer von Reversi gilt – und Reversi wiederum als direkter Vorgänger von Othello. Letztlich spielt es jedoch keine entscheidende Rolle, ob Reversi und Othello von ihren jeweiligen „Erfindern“ tatsächlich unabhängig entwickelt wurden oder ob sie auf bereits existierende Varianten zurückgriffen und diese lediglich neu gestalteten oder modifizierten. Der große Erfolg, den Reversi gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte, war längst abgeklungen, als Othello 1973 auf den Markt kam. Doch mit der Veröffentlichung von Othello setzte nicht nur dessen rasante Verbreitung ein – auch Reversi erlebte eine bemerkenswerte Renaissance. So brachte etwa Ravensburger ab den 1970er Jahren in kurzen Abständen mehrere neue Reversi-Versionen heraus, nachdem das Spiel zuvor nahezu in Vergessenheit geraten war. Ein Blick auf Online-Marktplätze für gebrauchte Spiele zeigt: Heute finden sich entweder sehr alte Reversi-Ausgaben, die über 100 Jahre alt sind, oder solche, die nach der Einführung von Othello erschienen sind. Dazwischen klafft eine auffällige Lücke – ein Indiz dafür, dass das Interesse an Reversi spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg stark nachgelassen hatte. Ohne Othello hätten wir Reversi heute vermutlich nicht mehr in dieser Form – oder vielleicht gar nicht mehr. |
Ich hoffe, dass einige der Informationen für dich neu und spannend waren. Sollte ich unbeabsichtigt gegen Urheberrechte verstoßen haben, etwa durch die Verwendung von Bildern, werde ich diese selbstverständlich entfernen oder entsprechend rechtskonform verlinken. Ich habe mich bemüht, alle Quellen sorgfältig anzugeben – für alle, die tiefer in die Geschichte eintauchen möchten. Falls jemand weiteres Material zur Geschichte von Reversi/Othello besitzt – insbesondere Fotos oder Daten aus der Zeit vor 1970, vor allem von Ravensburger – freue ich mich sehr über Hinweise oder Beiträge. Da fehlt noch einiges!“
Diese Zusammenstellung spiegelt die Recherche und Einschätzung von Günther Beyer wider.
Quellen:
- Kolumne von François Houdecek: empereur et mauvais joueur… le jeu du reversi, Juni 2020 ↩︎
- Kölnische Zeitung, 30.01.1817, Seite 2 ↩︎
- Académie universelle des jeux : contenant les règles des jeux de cartes permis, celles du billard, du mail, du trictrac, du revertier, etc.., 1806, Seite 108 ↩︎
- Digitalisat der Handschrift, Band 7, S. 42 (Institut für Literaturgeschichte, Peking) ↩︎
- Chen Wei, Games in Late Imperial China (2020), S. 109. ↩︎
- Zusammenfassung des Fundberichts (Chinesische Akademie der Archäologie). ↩︎
- E. O. Harbin, „Games of Many Nations“, 1954, Seite 51 ↩︎
- The Book of Table Games herausgegeben von Hoffmann (Professor), Jan. 1894, Seite 611 ↩︎
- Richard Ballam Collection, auf https://www.gamesboard.org.uk ↩︎
- Board and Table Games from Many Civilizations” von R.C. Bell ↩︎
- LAW TIMES REPORTS OF Cases Decided THE HOUSE OF LORDS, IN THE PRIVY COUNCIL. THE COURT OF APPEAL, …. VOLUME LIX. FROM SEPTEMBER 1888 TO FEBRUARY 1889, ab Seite 111 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Angebot bei baggottantiques, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- LAW TIMES REPORTS OF Cases Decided THE HOUSE OF LORDS, IN THE PRIVY COUNCIL. THE COURT OF APPEAL, …. VOLUME LIX. FROM SEPTEMBER 1888 TO FEBRUARY 1889, ab Seite 111 ↩︎
- „The Saturday Review“, Ausgabe vom 21. August 1886, Seite 254 ↩︎
- LAW TIMES REPORTS OF Cases Decided THE HOUSE OF LORDS, IN THE PRIVY COUNCIL. THE COURT OF APPEAL, …. VOLUME LIX. FROM SEPTEMBER 1888 TO FEBRUARY 1889, ab Seite 111 ↩︎
- LAW TIMES REPORTS OF Cases Decided THE HOUSE OF LORDS, IN THE PRIVY COUNCIL. THE COURT OF APPEAL, …. VOLUME LIX. FROM SEPTEMBER 1888 TO FEBRUARY 1889, ab Seite 111 ↩︎
- LAW TIMES REPORTS OF Cases Decided THE HOUSE OF LORDS IN THE PRIVY COUNCIL. THE COURT OF APPEAL, …. VOLUME LIX. FROM SEPTEMBER 1888 TO FEBRUARY 1889, ab Seite 111 ↩︎
- LAW TIMES REPORTS OF Cases Decided THE HOUSE OF LORDS IN THE PRIVY COUNCIL. THE COURT OF APPEAL, …. VOLUME LIX. FROM SEPTEMBER 1888 TO FEBRUARY 1889, ab Seite 111 ↩︎
- deutsche Wikipedia Seite zum Spiel Othello ↩︎
- Reversi and Go bang, by ‚Berkeley‘., W H. Peel 1890, Seite 3 ↩︎
- Angebot bei Etsy, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Angebot bei www.abebooks.co.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Angebot bei WorthPoint, abgerufen 08.08.2025 ↩︎
- Schwäbischer Merkur, 03.12.1890, Seite 21 ↩︎
- Märkisches Tageblatt : General-Anzeiger für Witten und Umgegend, Sonntag 09.12.1894, Seite 7 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Dürener Zeitung, Anzeige vom 11.12.1897, Seite 9 ↩︎
- Dürener Zeitung, Anzeige vom 10.12.1898, Seite 3 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Mitis, Caesar: Allerlei Brettspiele und andere Hausspiele, Seite 89 ↩︎
- Honnefer Volkszeitung, 20.12.1907, Seite 4 ↩︎
- 松浦政泰「裏返へし Masayasu Matsuura(レヴアルシー)Reversi」『世界遊戯法大全』博文館 Enzyclopädie der Welt-Spiele, Dez. 1907, Seiten 187-189 ↩︎
- 株式会社平凡社「改訂新版 世界大百科事典」改訂新版 世界大百科事典について 情報 Heibonsha Co., Ltd. „Revised New Edition World Encyclopedia“, abgerufen von Kotobank (Japanisches Verzeichnis von Wörterbüchern), 19.08.2025 ↩︎
- Eine kleine Schachtel Genpei Go, gefunden auf einem Antiquitätenmarkt, Webseite abgerufen am 18.08.2025 ↩︎
- Ayres collection auf https://www.gamesboard.org.uk ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Richard Ballam Collection auf https://www.gamesboard.org.uk, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Angebot auf lostandloved.co.uk, abgerufen 08.08.2025 ↩︎
- Hallische Nachrichten, 03.12.1942 ↩︎
- Angebot auf ebay, abgerufen 08.08.2025 ↩︎
- Verkaufsanzeige auf ebay.co.uk, abgerufen am 21.08.2025 ↩︎
- Registrierungsantrag, Japan. Patentbehörde ↩︎
- Kolumne auf der Webseite der japanischen Othello-Förderation, abgerufen 22.08.2025 ↩︎
- Wikipedia-Eintrag über Lan Lan, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- Wikipedia-Eintrag über Kang_Kang_(giant_panda), aberufen 08.08.2025 ↩︎
- Registrierungseintrag, Japan. Patentbehörde ↩︎
- Webseite von Megahouse, abgerufen am 08.08.2025 ↩︎
- 長谷川五郎 Goro Hasegawa「大流行の『オセロ』ゲームづくり一代」„Eine Generation der Entwicklung des beliebten Othello-Spiels“『現代』第7巻第12号、講談社、1973年12月、147-151頁、doi:10.11501/3367321、NDLJP:3367321。 ↩︎
- 長谷川五郎 Goro Hasegawa『オセロの打ち方-勝つための基本戦術』“So spielt man Othello: Grundlegende Taktiken zum Gewinnen“ 講談社、1981年12月。ISBN 9784061277595。 ↩︎
- X.com-Post von Hasera, 06. Dez. 2018, Mitglied des Website-Komitees der Japan-Othello-Föderation, abgerufen 24.08.2025 ↩︎
- 長谷川五郎『オセロゲームの歴史[注釈 40]』河出書房新社、Juli 2011。ISBN 9784309909134, Seite 9-18 ↩︎
- https://www.megahouse.co.jp/othello/history/, abgerufen am 25.08.2025 ↩︎




























































